Die Künstlerin über das Werk:

Hegel erkannte einst gesellschaftliche Anerkennungsprozesse als wesentlich durch Formen von Tausch charakterisiert. Social network websites können heute als Plattformen gegenseitiger Image-Tauschakte und als Versinnbildlichung des identifizierenden Denkens gelesen werden. Die sozialen Codes auf den meist photographischen Selbstbildnissen sind unmittelbar einsehbar. Sie zeigen sich zunächst unverhüllt also öffentlich, kommen aber bei näherer Betrachtung in ein privates Gesichtsfeld, welches sich wiederum öffentlich repräsentiert. Privare (lat. berauben) findet hier zu seinem ursprünglichsten Sinn, denn die Selbstdarstellung im Zusammenhang mit der Preisgabe persönlicher Informationen, welche auch stark durch die Wahl des eigenen Images vermittelt wird, ist auch für Nicht-Friends zugänglich. Es herrscht eine Art Doppelstruktur, eine private Öffentlichkeit. Die sich Darstellenden erzeugen einen sozialen Wert, den sie um den Preis der privaten Sphäre gegen eine Form von Anerkennung eintauschen. Verstehen wir nun das Gerücht im Sinne seiner ursprünglichsten Bedeutung Pheme (gr. Stimme / Rede ; später: Ruhm ), so ergibt sich eine speziell weibliche Identifikation. Nicht umsonst wurde für diese Arbeit auch eine Wien lebende Userin mit mehr als 1000 Friends gewählt. Sie selbst dient hier als Medium und als Allegorie der monströsen Gottheit Pheme. Die Arbeit “Athousandfriends” zeigt nun eine lineare Reihung der einzelnen Selbstportraits dieser Friends um analogisch unsere Befangenheit in der begrifflich identifizierenden und somit auch historisch-linearen Lesart dazustellen. Der Begriff Friend wird durch einen Bedeutungskomplex ersetzt. Eine der historischen Lesart angemessenen Darstellung würde sich nun folgendermaßen zeigen: FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND FRIEND ………...
Der Text-Code der digitalen Photographie wurde hier durch den Begriff: Friend ungefähr 1000 mal ersetzt. Somit wird der Code: Friend, so wie er uns durch diese Darstellung als Bedeutungskomplex gegeben ist, erneut als lineares Zeichen eingeführt, was eine Störung der kognitiv angemessenen Darstellung zur Folge hat.